Initiative “IT- und Internet-Profis in die Schulen!”

Januar 10, 2010

In diesem Beitrag geht es um eine Initiative für Menschen, die sich beruflich oder im Studium mit dem Internet und digitalen Technologien beschäftigen und dazu beitragen wollen, die Medienkompetenz von Schüler/innen und deren Erziehern zu stärken, indem sie Vorträge und Workshops abhalten. Das Ziel der Initiative ist es, durch sachliche Information Medienkompetenz zu stärken, Schüler und Lehrer auf die stattfindenden und zukünftigen Umwälzungen in Wirtschaft und Gesellschaft vorzubereiten und auf neue Möglichkeiten und Chancen aufmerksam zu machen. Diffuse Ängste sollen abgebaut werden und stattdessen ein aufgeklärtes Bewusstsein für Gefahren geschaffen werden. Das Angebot soll „niedrigschwellig“ sein und sich insbesondere auch an Schüler/innen und Lehrer/innen wenden, die sich nicht für Computer, Internet und Technik interessieren.

Meine eigene Schulzeit verbrachte ich vor mehr als 20 Jahren in einer niedersächsischen Kleinstadt. Damals war ich eigentlich mit der Schule ganz zufrieden. Ich erlebte motivierte und motivierende Lehrer. Auch das Gegenteil. Wirklich gehasst habe ich nur das elende Geräteturnen. Hoffentlich ist das inzwischen nicht mehr Pflicht. Im Nachhinein denke ich, dass die Lehrer zu wenig Möglichkeiten zu Eigeninitiative hatten und von den Lehrplänen zu stark gegängelt wurden. Und dass Querverbindungen zwischen einzelnen Fächern – zwischen Mathematik und den Naturwissenschaften, zwischen Erdkunde und Geschichte – nicht ausreichend aufgezeigt wurden.

Was den Umgang mit IT und Medien angeht, so erinnere ich mich an einen erfolglosen Versuch, Pascal zu lernen, und an viele Lehrfilme mit wabernden Fresszellen, Ribosomen und so weiter. Außerdem hatten wir ein Sprachlabor. Wie man ein Sprachlabor aber richtig einsetzt, erlebte ich erst nach der Schule, in Paris, wo man mir und anderen Studenten mit Deutsch oder skandinavischen Sprachen als Muttersprache im Sprachlabor (mit teilweise urkomischen Übungssätzen) gezielt den harten Akzent abtrainierte.

Heute treibt mich weniger die Erinnerung an meine eigene Schulzeit um als die Sorge, dass die deutsche Gesellschaft als Ganzes zu zögerlich und falsch auf die digitale Revolution reagiert und wir dadurch Möglichkeiten verpassen könnten, das Informationszeitalter aktiv und positiv mit zu gestalten. Die Erfahrung mit dem Sprachlabor zeigt, dass es nicht reicht, Lehrern teure Technik hinzustellen. Man muss reden und jeden Lehrer und Schüler unabhängig davon, wie technikaffin er oder sie ist, ernst nehmen.

Mit Wolfgang Weicht, dem Initiator des monatlichen Frankfurter “Weltverbesserer-Twitter-Essens”, kam ich auf die Idee, IT- und Internet-Profis dazu anzustiften, Lehrern und Schülern Vorträge und Workshops zu Medien- und Internet-Themen anzubieten. Gegenstand  könnte die Vermittlung bestimmter Fähigkeiten sein, so wie es etwa vom Frankfurter Museum für Angewandte Kunst bereits vorgemacht wird. Zusätzlich sollen auch Veranstaltungen angeboten werden, die verdeutlichen, wie sich Wirtschaft und Gesellschaft durch die digitale Revolution verändern. Mögliche Themen könnten zum Beispiel sein:

Was ist das Internet? Wie verändert es sich?
- Vom ARPANET zum Semantischen Web.
- Was bedeutet „Web 2.0“?
- Soziale Netzwerke und Datenschutz
- Hin zum Semantischen Web
- Das „Internet der Dinge“
- Der dunkle Bereich („The Dark Web“): Die unbekannten Bereiche des Internet

Veränderung der Weltwirtschaft durch neue Leistungen und Produkte im Bereich der IT-Industrie (keine Werbeveranstaltungen, im Vordergrund soll stehen, wie Arbeit und Wirtschaft sich verändern)
- Amazon: Nur eine Online-Buchhandlung?
- Aufstieg und Aktivitäten von Google
o Die Suchmaschine
o Google Earth
o Google Book Search
o (…)
- Middleware
- Cloud Computing
- Open Source Software
- Zukunft der Robotik
- Micropayment, virtuelles Geld
- Green IT, Klimawandel
- Veränderung der Arbeitswelt durch das Internet: Von der Abteilung zur Community?
- Telearbeit

E-Government

- Beispiele für E-Government Projekte in Deutschland und im Ausland
- Nutzung von Public Sector Information, Europa im Vergleich: Recht, Technik

Internetkriminalität und Datenschutz
- Technische Aspekte: Wo und wie sind Kriminelle und Spione im Netz aktiv?
- Streit um Vorratsdatenspeicherung, Überwachung und Netzsperren im In- und Ausland

Kunst
- Die Veränderung bekannter und die Entwicklung neuer Kunstformen durch Digitalisierung und Internet
- Komponieren heute
- Mashups
- …

Wissenschaft
- Der Streit um die Digitalisierung der Bibliotheken und Open Access
- Arbeiten mit digitalen Archiven, Beispiele Geschichte, Geografie, Astronomie, Biologie…
- Museum 2.0, positive Beispiele aus dem In- und Ausland

Kultur und Kreativwirtschaft

- Stiehlt Google das kulturelle Erbe der Menschheit? Über das Google Book Search-Projekt.
- Das E-Book kommt! Stirbt das Buch? Ökonomische, psychologische und gesellschaftliche Aspekte.
- Blogger, Perlentaucher, Zeitung Online: Sitzen kluge Köpfe nur noch vor dem Computer? Die Zukunft des Journalismus
- Die Krise der Musikindustrie
- Die Copyright Wars und der Kampf um das Urheberrecht
- “Some Rights Reserved” statt „All Rights Reserved”? Creative Commons
- Computerspiele, mögliche Risiken und Nebenwirkungen.

Mehr zum Warum und Wozu hier. Wer als “IT oder Internet Professional” mitmachen möchte, registriere sich doch bitte dort und/oder werde Mitglied der Xing-Gruppe “IT & Internet Professionals Go Back to School”. Über Vorschläge, wie wir jetzt weiter vorgehen, über weitere Themenvorschläge und sonstiges Feedback freuen wir uns!

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