Entwicklungsbericht der Public Library of Science vom Juni 2009

August 7, 2009

Die Public Library of Science hat im Juni 2009 einen Bericht über ihre Entwicklung veröffentlicht. PLoS veröffentlicht mehrere wissenschaftliche Fachzeitschriften, insbesondere PLoS Biology und PLoS Medicine. Alle Artikel stehen unter der Creative Commons-Namensnennungs-Lizenz, die eine freie Weiterverbreitung und Bearbeitung der Artikel ermöglicht, vorausgesetzt, der Autor und die Quelle werden stets korrekt benannt.

Mit entscheidend für den Erfolg wissenschaftlicher Open Access-Zeitschriften ist deren Ruf. Der Bericht enthält daher eine Reihe von Beispielen für besonders wichtige Artikel, die in PLoS-Publikationen erschienen. CEO Peter Jerram betont, dass es gelungen sei, renommierte Wissenschaftler zu überzeugen, in Open Access-Publikationen zu veröffentlichen, und dass die PLoS-Zeitschriften heute hohes wissenschaftliches Ansehen genössen.

Zugleich zeigt die häufig überraschende Resonanz, die einzelne Artikel in der konventionellen Presse erhielten, eine andere Seite des Potenzials von Open Access. So nutzte eine Lehrerin eine PLoS-Publikation im Unterricht und bedankte sich mit den Worten: „Der direkte Zugang zu Forschungsergebnissen wird sich sehr positiv auf die Zukunft der wissenschaftlichen Forschung auswirken, da Millionen Nachwuchswissenschaftler so Motivation und Anregungen erhalten.“

Besonders wichtig ist der freie Zugang zu Forschungsinformationen, die tropische Krankheiten betreffen, deren Erforschung für kommerzielle Unternehmen uninteressant ist. 2007 kam daher zu den PLoS Zeitschriften PLoS Neglected Tropical Diseases hinzu, das von der Bill and Melinda Gates Stiftung gefördert wird.

PLoS wurde mit der Hilfe mehrerer großer philanthropischer Stiftungen, insbesondere der Gordon and Betty Moore Foundation, gegründet und wird weiterhin durch Spenden gefördert. Mitgründer und Nobelpreisträger Harold E. Varmus hofft jedoch, dass die Publikationskosten für die Zeitschriften ab 2010 durch die Einnahmen gedeckt werden. PLoS erzielt den größten Teil seiner Einnahmen durch Gebühren, die es von Autoren oder deren Arbeitgebern für die Veröffentlichung von Artikeln erhebt. Varmus hält Open Access für ein tragfähiges Geschäftsmodell. Dies zeige auch der Erwerb des OpenAccess-Verlages BioMed Central durch Springer Science + Business Media Ende 2008.

Der PLoS-Bericht konstatiert, dass heute die Diskussion um Open Access weniger die Frage des Ob betreffe. Insoweit habe es 2008 bedeutende Fortschritte gegeben. So verpflichtet die größte US-amerikanische Behörde für biomedizinische Forschung (National Institutes of Health, NIH) mittlerweile jeden Förderungsempfänger, seine Ergebnisse binnen eines Jahres nach Veröffentlichung in ihrem Archiv PubMedCentral unter einer Creative Commons-Namensnennungs-Lizenz zugänglich zu machen. Auch eine Reihe renommierter Universitäten, Forschungseinrichtungen wie der Wellcome Trust sowie Research Councils UK, ein Konsortium von Forschungsorganisationen mit einem jährlichen Budget von 6 Milliarden US-Dollar, unterstützen Open Access.

Die wahre Herausforderung sehen die PLoS-Verantwortlichen heute in der Frage, wie neue Möglichkeiten der Online-Kommunikation am besten genutzt werden können, um den wissenschaftlichen Fortschritt zu fördern. Außer an seinen geschäftlichen Zielen arbeitet PLoS daher daran, die neuen Technologien über das reine Zugänglichmachen von Forschungsergebnissen hinaus zu nutzen, um zum wissenschaftlichen Fortschritt beizutragen. Ein Beispiel dafür ist die neue Zeitschrift PLoS One. Einsendungen dafür werden wie bei allen anderen PLoS-Publikationen inhaltlich mittels Peer Review überprüft, über die Bedeutung der Artikel entscheiden jedoch die Leser. Dadurch sollen wissenschaftliche Erkenntnisse schneller verbreitet werden. Außerdem arbeitet PLoS daran, freigegebenes Wissen durch Technologien des Semantischen Web so zu präsentieren, dass seine Weiterbearbeitung leichter und schneller möglich ist. Um Innovation in diesem Bereich zu ermöglichen, wirbt PLoS auch weiterhin um Spenden.

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